Leica M10, das erste Jahr

Schallodenbach

Wer diese Webseite ein bisschen verfolgt, hat potenziell den Artikel über drei Jahre Leica Q (Typ 116) gelesen. Meine Claudia beschreibt dort, wie ich von den Fähigkeiten dieser unscheinbaren Kamera begeistert wurde und der Wunsch nach einer Leica M10 entstand.
Im Januar 2021 war es soweit. Ich erstand eine gebrauchte, original verpackte M10 mit 500 Auslösungen, nebst 35mm und 50 mm Summicron in den jeweils aktuellen Versionen.
Warum habe ich das gemacht, gab es doch einen ganzen Schrank voller Spiegelreflexkameras. Kann/sollte man diese Kaufentscheidung rational beschreiben?

Leica M10
Summarit 75mm, 2.4

Ganz ehrlich? Frauen sagt man nach, ihre Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen.
Was ist bei Männern anders? Nichts, denn sie treffen ihre Entscheidungen aus dem Bauch heraus, nehmen sich nur hinterher die Zeit, die Entscheidung rational zu begründen, gern über eine gewisse Zahl von Stunden hinweg und mit unzähligen, treffenden Argumenten. Und je mehr Möglichkeiten ihnen eingeräumt werden, desto tiefschürfender werden die Aussagen. Potentiell ist diese Taktik ein oft erprobter und erfolgreicher Weg, die Bauchentscheidung zu verschleiern.
Soll ich tief Luft holen für die Erklärungen? Bullshit, ich musste die M10 haben. Es gab keine rationalen Gründe.

Grünstadt, Januar 2021

An dieser Stelle kommt keine Beschreibung des neudeutschen Vorgangs des „Unboxing“. Auspacken klingt zu profan, unprofessionell, uninfluenzerisch (Habe ich just ein neues Wort kreiert?). Nur eine kurze Bemerkung will ich anfügen, über die Bedienungsanleitung. Wenn ich mich recht entsinne, hat sie 62 Seiten. Bei Nikon kommt sie per Spedition in einer separaten Lieferung, bei der D850 kann man sie „downloaden“. Wohl dem, der eine 200Mbit Leitung hat. Bei Sony habe ich gehört, dass sie per Schwerlasttransport geliefert werden.
Gelesen habe ich die Gebrauchsanweisungen nicht, weder noch. Das war ein bisschen doof von mir, sonst hätte ich mir gegebenenfalls gemerkt, dass man im LiveView mit der Taste rechts vorn, neben dem Objektiv, eine Vergrößerung und Focus Peaking angezeigt bekommt. Das ist durchaus nützlich, wenn man meint, Objektive nutzen zu müssen, die keine Messsucherkopplung haben. Dazu später….
Glücklicherweise besuchte uns ein Freund und Kollege, bei dem ich mich zu fragen getraut habe.

Okay, ich hatte eine M10 und zwei Objektive, ein schickes Täschchen und zog los, die Welt zu fotografieren.
Was war anders als vorher? Da nenne ich Volumen und Gewicht. Leicht ist die M10 nicht, aber handlicher als meine DSLR-Exemplare.

Das Fokussieren musste ab jetzt von Hand erfolgen, im Messsucher. Nun gut, da waren diese beiden hellen Rechtecke und die sollte ich zur Deckung bringen. Kann im Endeffekt nicht schwer sein. Ist es im Übrigen nicht, aber…. Ich bin Brillenträger, kurzsichtig, absolut „linksäugig“ und Ende 50. Lesen kann ich ohne Brille, Fokussieren nicht. Mit anderen Worten, es war eine unerwartete Herausforderung zu meistern. Meine Fernsichtbrille funktioniert gut, nur bekomme ich das Auge, respektive Brillenglas, nicht so nah an den Sucher wie gewünscht. Die Gleitsichtbrille funktioniert nicht. Linksäugig bedeutet, immer einen Fettfleck von der Nase auf dem Monitor zu haben. Die M10 elegant ans rechte Auge zu setzen, ist möglich. Indessen dürfen meine Augen dafür nicht müde sein und es kostet mich wesentlich mehr Konzentration. Ich muss mich dazu zwingen, cool auszusehen. Wer mich kennt, weiss, dass ich faul bin. Aus diesem Grund wische ich öfter den Monitor ab (Die Nase war’s.). Logischerweise nur, wenn ich denke, dass es niemand bemerkt. Psst, nicht verraten, ich schummle desgleichen mit LiveView, wenn ich mir unsicher bin. Die Bestrafung erfolgt durch das andere Auslösegeräusch.

Das Fazit der ersten Wochen und Monate war für mich in hohem Maße positiv, weil die ganze „Ausrüstung“ viel, viel weniger Gewicht und Volumen hatte.
Mannheimer Hauptbahnhof mit einer Nikon D700/810/780/850 (liegen alle im Schrank) und einem Sigma 50mm f/1.4 Art für Street Fotografie sind für mich undenkbar. Das wäre vieeeel zu auffällig. Mit der M10 und dem 35/50 cron ist das kein Problem.

Die M10 war von nun an immer dabei.

Ich springe gleich mal weit nach vorn. Beim Schreiben dieses Beitrages, kamen meine Gedanken zuerst auf das folgende Thema.

Astro: Ist eine kleine Leidenschaft von mir und das musste ich unbedingt mit der M10 ausprobieren. Damit die Bilder „cool“ werden, habe mir dazu das Voigtländer 21mm f/1.4 Nokton angeschafft. Den simplen Fernauslöser, in Form eines Drahtauslösers habe ich bei meinem Vater abgestaubt. Er stammt vom Großvater, datiert vermutlich auf die späten 50er Jahre und sieht aus wie neu. Logischerweise muss auch eine M10 dazu auf ein Stativ geschnallt werden.

Was ist geil an Astro mit manuellen Objektiven? Schlicht der Ablauf, der deutlich wird, wenn man mit Fotofreunden unterwegs ist.

  1. Stativ: Bei beiden gleich
  2. Motivwahl: Immer noch gleich
  3. Fernauslöser: Kann bei einer DSLR fummelig sein, zumindest bei Nikon und wehe Empfänger und Auslöser sind nicht auf den gleichen Funkkanal eingestellt. Es gibt 3; oder ein Kollege hat seinen Empfänger auf dem gleichen Kanal….., seeeeehr lustig.
    M10: Drahtauslöser einschrauben
  4. Fokus: DSLR/DSLM Autofokus ist nicht, es sei denn man benutzt ein manuelles Objektiv. Ich mache es mit Fokus Peaking. Helles Objekt suchen, Fokus auf manuell stellen, Ausrichten, Ausschnitt maximal vergrößern (gut wenn man im Dunkeln den richtigen Knopf weiß, oder ihn beleuchten kann, sonst Stirnlampe, spätestens jetzt ist der manuelle Kollege sauer) und am Objektiv vorsichtig hin und her drehen. Wenn der Punkt am kleinsten ist, Objektiv nicht mehr anfassen. Ich habe auch schon Fotografen erlebt, die an dieser Stelle Panzertape auf das Objektiv kleben.
    Ungeheuer super wenn man wegen hoher Luftfeuchtigkeit eine Objektivheizung in Form einer Manschette braucht. Dann beginnt der Vorgang nach deren Anlegen von vorn. Abschalten der Vibrationsreduktion nicht vergessen. Doch vergessen, Objektiv berührt? Dann siehe Abschnitt Fokussieren, zur Sicherheit neu starten.
    An der M10 mit den 21mm Voigtländer? Fokusring auf unendlich drehen, innerlich grinsen, auslösen, über den Kollegen nebenan mit der Stirnlampe unhörbar fluchen. Warten bis der fertig ist, erneut auslösen, grinsen.

So habe ich es erlebt. Dessen ungeachtet fotografiere ich nachts immer noch auch mit meinen DSLR und einem 20mm Sigma f/1.4 Art und dieser eben beschriebene Teil kann meganervig sein.

Soviel zu Astro, ich könnte darüber in Hülle und Fülle mehr schreiben.
Das 21mm Nokton habe ich wieder abgegeben. Es machte die M10 so groß, so unbalanciert. Die Leistung des Objektivs ist ohne Tadel, bis auf Koma in den Ecken bei Astro. Dies und der Artikel von Claus über das 21mm Color Skopar waren der Grund es für letzteres abzugeben.

Größenvergleich, M10 mit 35mm Cron links, Sigma 35mm, f/1.4 Art, Nikon F

Landschaft:
Der nahe gelegene Pfälzer Wald bietet das ganze Jahr unzählige Möglichkeiten, Landschaftsaufnahmen zu erstellen. Das nutze ich gern an den Wochenenden. Die frühen Morgenstunden sind meine Favoriten. Mit frühen Morgenstunden meine ich die Zeit von kurz vor dem Ende der dunklen Nacht (Sonne mehr als 18° unter dem Horizont) bis ca. 45 min nach Sonnenaufgang. Das gibt mir die Chance, ein paar Astro-Motive abzulichten. Im Umkehrschluss bedeutet das oft, am Samstag oder Sonntag schon um 02:30 Uhr den Wecker klingeln zu hören, denn 60 min Anfahrt und 15-60 min Fußmarsch schieben die Abfahrtzeit in unchristliche Bereiche.
Was hat das mit der M10 zu tun, mag man sich fragen. Ganz einfach, es gibt das „kleine Besteck“, M10 + Stativ und das „große Besteck“ , Nikon + Objektive + Stativ + Nodalpunktadapter, oft inklusive „kleinem Besteck“. Mit anderen Worten bin ich leicht unterwegs, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Warum dann noch D8?? ? Manchmal steht mir der Sinn nach mehrzeiligen Panoramen im Gigapixel Bereich. Das kann die M10 auch, aber nicht, wie demnächst hoffentlich, automatisiert.

Ehrlicherweise war ich 2021 oft mit beiden Systemen unterwegs. Warum? Siehe oben mit der rationalen Erklärung, ähh mit dem Bauchgefühl. Vermutlich hatte ich Bedenken, eine Aufgabe nicht lösen zu können oder ein Motiv zu verpassen. Das ist zwar absoluter Blödsinn, aber zu meiner Entlastung sage ich, dass es seit 2005 immer eine DSLR an meiner Seite gab. §1 der mecklenburgischen Landesverfassung: „Ännert sich nix, blivt alles bien ollen.“
Ich bin sicher, dass das noch eine Weile so bleiben wird. Ich kenne mich. Es darf jetzt gelacht werden, auch gern im Keller.

Karlstalsschlucht, Winter 2021

Anfang Dezember ist eine gute Freundin mit der Bitte an uns herangetreten, Bilder der Weihnachtsdekoration ihres Lokals zu machen. Claudia hatte ihre Q und ich habe die D780 benutzt und nicht die M10. Dienstag Abend nach mehr als 9h Arbeit und mit müden Augen in einem weihnachtlich beleuchteten Innenraum ist mir die M10 zu mühsam. Oder, mit anderen Worten, da verlasse ich mich auf einen schnellen, halbwegs sicheren Autofokus und auf die Möglichkeit, näher als 70 cm gehen zu können.
Arbeit vs. Vergnügen

Damit sprach ich über eine Grenze des Messsuchersystems, die Naheinstellgrenze von 70 cm mit dem Sucher. Mit dem 21mm Color Skopar kann man auf 50 cm mit dem LiveView. Ein anderes Limit ist optisch, augenoptisch, genauer gesagt das Fokussieren im Messsucher mit Brennweiten von 90mm und drüber und weit offener Blende und somit saudünner Tiefenschärfeebene. Vergiss es.

Ergo konstatiere ich, die M10 ist für das Vergnügen, für die Lust, den Spaß am Fotografieren.

Wie die Q bei Claudia wurde die M10 in diesem Jahr zu der Kamera, die ich genau genommen oft dabei hatte und mit der mehr Bilder als mit sämtlichen DSLR zusammen entstanden sind. Konsequenterweise hat sie mir die meisten Keeper beschert. Alles andere wäre statistisch vergleichsweise unwahrscheinlich.
Die Überalldabei bleibt die Leica Q. Die ist schlicht vielseitiger bei wenig Licht. Außerdem kann sich Klein-Dirki nie für nur ein Objektiv entscheiden, hat ergo immer sein Täschchen dabei.
Ich habe schon öfter gelesen, man könne die M10 mit einem Cron in eine Jackentasche stecken. Leute, was habt ihr für Jacken, XXXL? Und ich trage keine Taillierten, sondern normale.

Was habe ich mit der M10 gemacht?
Landschaft, Low Light, Street, Museum

Zum Thema Landschaft gibt es nicht viel zu sagen. Hier entscheiden Motiv und Lichtverhältnisse. Hohe ISO-Zahlen vermeide ich nach Möglichkeit und benutze oft ein Stativ und den Drahtauslöser. Die Objektivwahl wird vom Motiv determiniert und reicht bei mir von 21mm bis 75mm. Die Daten werden grundsätzlich nur als dng gespeichert und in Adobe Lightroom bearbeitet. Diesen Workflow habe ich seit langem und sehe keinen Grund, davon abzuweichen.

Low Light:
Das ist ein schwieriges Thema, bin ich doch von der Leica Q verwöhnt. Ganz klar, was mit der Q funktioniert, aus der Hand wohlgemerkt, scheitert bei der M10. ISO 6400 ist meine absolute Schmerzgrenze und selbst die versuche ich tunlichst zu vermeiden. Verwendet man 6Bit codierte Objektive, stellt die M10 vernünftige Belichtungszeiten ein. Bei uncodierten sollte man stets einen kritischen Blick auf die Zeiten haben, so die Zeitautomatik gewählt ist. Das passiert mir immer wieder mit den Vintage-Objektiven. Wenn zuletzt ein 21mm Objektiv in der Erkennung eingestellt war, kann die Kamera nicht wissen, dass der plüschige Benutzer ein 58mm aufgesteckt hat und schickt ihn mit einer zwanzigstel Sekunde in die „Motion Blur“-Welt. Kann schick sein, ist es aber meist nicht. Folglich, da immer drauf achten, oder gleich am Zeitenrad einstellen und mit dem Histogramm auf Sinnhaftigkeit prüfen.
An der Stelle muss ich mal meckern. Bei meinen Nikons kann ich mir zum Einstellen mit dem „Hauptschalter“ für ein paar Sekunden die Tasten-Beleuchtung anschalten. Das gibt es bei der M10 nicht. Das Zeitenrad ist für mich bei schlechtem Umgebungslicht schwer/nicht erkennbar. Wie geil, könnte man die Zahlen von innen beleuchten. Leica, wäre das nicht etwas für die Ingenieure bei Euch?
Das war jammern auf hohem Niveau. Eine M10 ist für mich bei Low Light immer sicherer zu benutzen als eine schwere DSLR. Zu den ultrastabilisierten Teilen fehlt mir jedoch der Vergleich.

Street:
Die Kamera ist relativ unauffällig, klein, schwarz, kleines Objektiv. Viele Passanten bemerken die Kamera nicht. Stichwort Rangefokus, sind doch auf den Objektiven verschiedene Zahlen und Striche, die man von früher kennt und die auf modernen AF-Objektiven fehlen. Es ist somit möglich, einen Bereich/Range einzustellen, der hinreichend scharf abgebildet wird, in Abhängigkeit von der verwendeten Blende. Die passende Entfernung kann man schätzen oder mit einem kurzen Blick durch den Messsucher justieren. Und dann ist Feuer frei. Solange sich das Objekt in dieser Range befindet, wird das Bild scharf sein. Es sei denn, es bewegt sich mit Mach 0,5.
Das schaffe ich mit einer DSLR auch, aber….. Den Autofokus sollte ich dabei abschalten und vorher manuell fokussieren. Mache ich das nicht, liegt das Objekt zu 105% nicht in der Schärfeebene; bei mir. Die Kamera fokussiert irgendwo hin. Selbst wenn ich auf Spotfokus schalte, muss ich den Punkt vorher an der richtigen Stelle haben. Dort ist er nie. Also muss ich ihn umstellen, was Zeit kostet. Der zu fotografierende Moment ist inzwischen mit Sicherheit dahin. Weiterhin fehlt die Möglichkeit, den Bereich der Tiefenschärfe am Objektiv abzulesen, es sei denn, dieses ist deutlich älter. Den muss ich folglich raten.
Mit anderen Worten, kann man machen, ist aber Mist.
Unterm Strich kann ich nur sagen, dass es Spaß macht, die M10 für Street zu benutzen.

Oben stand noch das Stichwort Museum:
Museum ist oft Street at Low Light. Auch hier hat man den großen Vorteil, mit einer unauffälligen Kamera unterwegs zu sein. Mit der D780/850 und einem Sigma 35mm f/1.4 käme ich nie auf die Idee, das zu probieren. Sollte ich unter Umständen mal tun, müsste dann aber einen Sherpa organisieren.

An den Themenbereich Personen habe ich mich mit der M10 noch nicht getraut. Da fühle ich mich von vornherein unbehaglich und unsicher.

Jetzt muss ich ein paar Worte über Gottes Strafe für die Nutzer von Digitalkameras mit Wechselobjektiven loswerden. „Und am ? Tag schuf er Sand, Staub, Krümel und klebrige Substanzen, die auf den Sensoren haften mögen. So soll Euch Niederen das Ablichten der Schöpfung auf immer ein Graus bleiben.“

Das kennt jeder?
Dann gebe ich eine Geschichte zum Besten, die illustriert, wie blond ich bin. Das neue, schicke Täschchen hatte ich schon erwähnt, außen Glattleder, innen leider nicht. Das macht Fussel. Die sind erst in der Tasche, dann hinten im Objektiv und dann auf dem Sensor, große Fussel.
Stichwort blond, ich den Sensor abgeblasen, Fussel weg, Kamera zurück in die Tasche, Repeat! Nach einigen Malen kam ich dann auf die Idee, die ganze Tasche mit Druckluft auszublasen, so 5bar, getrocknet und entölt. Seitdem tritt dieses Problem seltener auf und einen Riesenfussel hatte ich nicht mehr auf dem Sensor.

Neckarhafen, Mannheim

Dessen ungeachtet ist das ein wiederkehrendes Problem. Das Mitführen eines Reinstraumes für den Objektivwechsel würde das zuverlässig lösen, erscheint nach längerem Nachdenken indessen unpraktisch.

Zu den technischen Dingen der M10 habe ich bislang nichts geschrieben.
Vieles davon dürfte bekannt sein und findet sich in unzähligen Beiträgen im Internet. Dem kann ich schwerlich neue Erkenntnisse hinzufügen.
24MP auf einem Vollformatsensor sind vollkommen ausreichend für mich.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Workflow:
Wie oben gesagt, benutze ich ausschließlich das dng Format. So importiere ich von der SD-Karte zu Lightroom. Dort werden die Dateien nach Jahr, Monat und Tag abgelegt. Beim Import wende ich ein Preset an.

Dessen Einstellungen sind:
Profil: Adobe Farbe oder Landschaft
WA: Wie Aufnahme
Bel: Automatisch
Klarheit: 15
Schärfen:
Betrag: 36
Radius: 1
Details: 50
Maskieren: 39
Rauschreduktion
Luminanz: 20
Details: 50
Kontrast: 0
Objektivkorrektur: ein
chromatische Korrektur: ein

Dänemark

Damit habe ich einen für mich funktionierenden Ausgangspunkt für potenzielle weitere Bearbeitung.
Der LensTagger kommt zum Einsatz, wenn uncodierte Objektive verwendet wurden. Damit lassen sich recht komfortabel die passenden Metadaten hinzufügen. Mir erleichtert das die Suche in Lightroom, wenn ich gezielt nach Bildern fahnde.
SilverEfex2 benutze ich für Konvertierungen in Schwarz-Weiß. Die Ergebnisse landen bei mir als tif-Dateien wieder in Lightroom, gleich neben den Originalen.

Summicron 35 vs. Summicron 50, dazu ein paar Anmerkungen. Mir ist aufgefallen, dass die Bilder vom 35er oft unterbelichtet sind, sprich LR hebt die teilweise um 1.5EV an. Beim 50er ist das fast nie der Fall, ebenso nicht beim 75mm Summarit. Die Ursache ist mir nicht klar. Wenn einer der Leser dazu eine Idee hat, immer her damit.

Mal grundsätzlich zu dem idiotischen Out of Cam Gebrabbel. Sorry, ich kriege da immer die Krise, wenn ich so etwas lese. In der Kamera werden die PixelWells des Sensors ausgelesen. In diesem Fall werden das winzige Spannungswerte aus gesammelten Photonen sein. Diese werden verstärkt und zu einem Datensatz verarbeitet, der mit Hilfe eines Computers und festgelegten Normen für den Inhalt der Datei, tif, dng, jpg, nef, cr2 usw., sowie einem Monitor zu einem für uns sichtbaren Bild führen.
Im vorherigen Satz steht das Wort „verarbeitet“. Je nach verbauten, elektronischen Bauteilen, verbunden mit der entsprechenden Programmlogik wird jeder Kamerahersteller die gesammelten Spannungswerte auf die gewünschte Weise und in Abhängigkeit vom verwendeten Objektiv bearbeiten, um ein möglichst ansprechendes Bild am Monitor zu erzeugen.
Und da habe ich mich bisher nicht über die Aussagen bezüglich des jpg-Formates aufgeregt. Dabei werden aus Dateien mit 14Bit respektive 12Bit Farbtiefe pro Pixel solche mit 8Bit, folgerichtig alles ohne Bearbeitung. Früher haben diese Individuen vermutlich ihre unentwickelten Filme aus der Kamera gezogen und Out of Cam betrachtet. Leider gab es zu diesen Zeiten kein Internet, sonst könnten wir heute großartige Ergüsse lesen.
Dessen ungeachtet gärt es immer in mir, wenn ich die Frage höre: „Das ist aber bearbeitet, oder?“ Nee, ich hab den Film einfach rausgezogen.

So Ihr Lieben bei Leica. Ihr habt eine tolle Kamera gebaut, die ich in hohem Maße gern benutze und die mir hoffentlich lange gute Dienste leisten wird.
Die Zahl der existierenden Objektive für das Messsucher-System ist fast unüberschaubar und immer kommen neue dazu.
Kann man ohne Leica M10 leben? Das ist mit Sicherheit möglich, denn es gibt die Q.

21-Lounge, Kaiserslautern

1 thought on “Leica M10, das erste Jahr

  1. Maurizio says:

    Lieber Dirk

    Dein Artikel ist mehr als lesenswert. Die Sprache, dein Humor entspricht meinem und deine Beschreibung ist auf den Punkt gebracht. Was du über die M10 schreibst kann ich nur bestätigen. Bei mir sind es nun 3 Jahre her, als ich mit der M10 angefangen habe zu fotografieren. Ich geniesse es auch deine Erfahrungen und Entwicklungen hier zu lesen und bin froh, dass du den Schritt gewagt hast, dem M System eine Chance zu geben. Alles Gute weiterhin mit deiner M10.

    Lieben Gruss
    Maurizio

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